Wenn ein Kind besondere Unterstützung braucht
Die Frühförderstelle im Kreis Kleve begleitet Familien von Anfang an – mit Fachwissen, Einfühlungsvermögen und einem offenen Blick für jedes Kind.
Manches Kind spricht später als Gleichaltrige. Ein anderes meidet Berührungen, kommt mit Bewegung nicht zurecht oder wirkt in Gruppen schnell überfordert. Für Eltern beginnt dann oft eine Zeit voller Fragen – und Unsicherheit. Genau hier setzt die Frühförderstelle für den Kreis Kleve an: mit Fachwissen, interdisziplinärer Zusammenarbeit und der Überzeugung, dass frühe Hilfe einen bleibenden Unterschied machen kann.
Die Einrichtung begleitet Säuglinge und Kleinkinder mit Entwicklungsverzögerungen, Behinderungen oder drohenden Behinderungen – frühzeitig, individuell und nah am Wohnort. Seit 1981 setzt die Frühförderstelle auf interdisziplinäre Zusammenarbeit und war damit in Nordrhein-Westfalen Vorreiter. Heute betreut das Team an den vier Standorten in Kevelaer, Kleve, Rees und Straelen rund 600 Kinder und ihre Familien.
Ellemieke KokFrühförderung heißt, Familien zu stärken, Orientierung zu geben und Entwicklung gemeinsam zu ermöglichen.
Geschäftsführerin Frühförderstelle für den Kreis Kleve
Förderung unter einem Dach
Die Stärke der Frühförderstelle liegt in ihrem ganzheitlichen Ansatz. Heilpädagogen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Kinderärzte und Psychologen arbeiten eng zusammen – nicht nebeneinander, sondern miteinander. So entsteht für jedes Kind ein individuell zugeschnittenes Förderprogramm, das alle relevanten Entwicklungsbereiche im Blick hat.
Zusätzliche Qualifikationen der Mitarbeitenden erweitern das Angebot: Die Bobath- und Vojta-Therapie unterstützt Bewegung und Körperwahrnehmung, die Sensorische Integration hilft Kindern, Sinneseindrücke besser zu verarbeiten, und die Systemische Familientherapie bezieht das familiäre Umfeld gezielt mit ein.
Das konkrete Angebot umfasst heilpädagogische Entwicklungsförderung, Physiotherapie für Bewegung und Motorik, Ergotherapie zur Stärkung von Wahrnehmung und Alltagskompetenzen, Logopädie bei Sprach- und Essproblemen sowie psychologische und ärztliche Begleitung. Die Unterstützung findet – je nach Bedarf – in den Einrichtungen der Frühförderstelle, in Kitas oder im vertrauten Umfeld der Familien statt.
Der Weg zur Frühförderung
Viele Familien kommen mit Frühförderung in Berührung, wenn Kinderärzte oder Kitas Entwicklungsauffälligkeiten feststellen – etwa bei Sprache, Motorik oder Sozialverhalten. In der Regel stellt ein Kinderarzt zunächst eine Verordnung für die Eingangsdiagnostik aus. Die Frühförderstelle vereinbart dann Termine für Diagnostik und Beratung. Auf dieser Basis entwickelt das interdisziplinäre Team gemeinsam mit den Eltern einen individuellen Förderplan. Die Kosten tragen Krankenkassen und kommunale Kostenträger.
Wer sich zunächst nur informieren möchte, kann das offene Beratungsangebot nutzen: anonym, unverbindlich und kostenfrei. Sie können Fragen stellen und Orientierung finden, ohne sich sofort anmelden zu müssen.
Entwicklung braucht Zeit – und Vertrauen
Die Arbeit der Frühförderstelle ist oft langfristig angelegt. Viele Kinder werden über Jahre begleitet, manchmal bis zur Einschulung. Dabei zählt nicht der schnelle Erfolg, sondern die nachhaltige Unterstützung von Entwicklung und Teilhabe.
„Nicht jede Einschränkung lässt sich einfach wegtherapieren“, sagt Ellemieke Kok. „Aber wir können Kindern und Familien helfen, ihren Alltag sicherer, selbstständiger und lebenswerter zu gestalten.“
Gerade in den ersten Lebensjahren sind die Entwicklungsmöglichkeiten besonders groß. „Frühförderung kann Potenziale früh erkennen, Fähigkeiten stärken und Familien in belastenden Situationen entlasten“, betont Kok.
Ellemieke KokNicht jede Einschränkung lässt sich einfach wegtherapieren. Aber wir können Kindern und Familien helfen, ihren Alltag sicherer, selbstständiger und lebenswerter zu gestalten.
Geschäftsführerin Frühförderstelle für den Kreis Kleve
Träger: Lebenshilfe
Die Lebenshilfe im Kreis Kleve trägt die Frühförderstelle. Sie begleitet rund 2.500 Menschen in über 40 Einrichtungen – von inklusiven Kitas und Frühförderung bis zu Wohn-, Bildungs- und Freizeitangeboten. Die Frühförderstelle ist ein zentraler Baustein ihres Engagements für frühe Hilfe, Teilhabe und Inklusion.
„Frühe Förderung schafft Chancen – für Kinder und ihre Familien“
Frau Kok, warum ist Frühförderung so wichtig – und was kann sie leisten?
Die ersten Lebensjahre prägen die Entwicklung eines Kindes in besonderer Weise – das Gehirn wächst mit enormer Geschwindigkeit, Kinder lernen und verarbeiten Eindrücke besonders intensiv. Frühförderung setzt genau hier an: Sie unterstützt Kinder dabei, Fähigkeiten aufzubauen und ihren Alltag besser zu bewältigen – ob bei Sprache, Bewegung, Wahrnehmung oder sozialer Entwicklung. Gleichzeitig begleiten wir Eltern dabei, ihr Kind besser zu verstehen. Das ist für uns immer eine Einheit: das Kind fördern und die Familie dabei nicht alleinlassen. Frühförderung ist kein „Reparaturprogramm“ – nicht jede Einschränkung lässt sich beheben. Aber wir können Entwicklungsmöglichkeiten verbessern, Teilhabe stärken und Kindern helfen, ihre Potenziale bestmöglich zu entfalten. Oft sind es kleine Fortschritte, die im Alltag den größten Unterschied machen.
Viele Eltern sind zunächst verunsichert. Wann sollten sie aktiv werden?
Sorgen ernst zu nehmen ist zunächst einmal etwas ganz Natürliches – Eltern kennen ihr Kind meist sehr genau. Niemand sollte Angst vor Frühförderung haben. Es geht nicht darum, Kinder vorschnell zu „etikettieren“, sondern genau hinzuschauen und passende Unterstützung anzubieten. Wir arbeiten ressourcenorientiert – mit dem Blick auf Stärken und Möglichkeiten, nicht nur auf Schwierigkeiten. Aktiv werden sollten Eltern immer dann, wenn sie das Gefühl haben, dass sich ihr Kind deutlich anders entwickelt – oder wenn Fachkräfte entsprechende Hinweise geben. Lieber einmal mehr beraten lassen als zu lange warten. Genau dafür haben wir unser offenes Beratungsangebot: unkompliziert, kostenlos, ohne Voranmeldung.
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit Familien?
Sehr intensiv und häufig sehr vertrauensvoll. Viele Eltern stehen unter großem Druck oder sorgen sich um die Zukunft ihres Kindes. Deshalb ist es uns wichtig, nicht nur das Kind zu fördern, sondern die gesamte Familie mitzunehmen. Entwicklung gelingt am besten gemeinsam.
Was zeichnet die Frühförderstelle im Kreis Kleve besonders aus?
Vor allem unsere interdisziplinäre Arbeit. Bei uns arbeiten unterschiedliche Fachrichtungen eng zusammen – das ermöglicht uns, jedes Kind wirklich ganzheitlich zu betrachten und individuelle Lösungen zu entwickeln. Dazu kommen unsere vier Standorte im Kreis: Diese Wohnortnähe ist auf dem Land besonders wertvoll. Kurze Wege bedeuten weniger Aufwand für Familien – und häufigere, regelmäßigere Unterstützung.
Ein weiterer Vorteil ist unsere enge Zusammenarbeit mit den Kinderärzten im Kreis. Diese direkte Verbindung macht in der Praxis einen echten Unterschied: Auffälligkeiten werden schneller erkannt, Wege abgekürzt, Familien frühzeitig begleitet. Und durch unsere Größe sind wir bestens in den Frühen Hilfen vernetzt – das gibt uns die Möglichkeit, Familien nicht nur intern zu unterstützen, sondern sie auch gezielt mit anderen Angeboten im Kreis zu verbinden.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Frühförderung?
Ich wünsche mir, dass kein Kind zu spät Unterstützung bekommt. Nicht weil die Eltern zu lange gewartet haben, sondern weil der Zugang zu einfach war – zu bürokratisch, zu wenig bekannt, zu weit weg. Frühförderung ist keine Randaufgabe. Sie ist eine Investition in Chancengerechtigkeit, Teilhabe und eine Gesellschaft, in der jedes Kind seinen Platz findet.