Schwere
Sprache
15.10.2026

Weniger Bürokratie, mehr Teilhabe

Dr. Volkhard Wille, Landtagsabgeordneter der Grünen, hat die Lebenshilfe im Kreis Kleve besucht. Mit den Vorständen Jörg Kador und Stephan R. Brockschmidt sprach er über die Reformpläne des Bundes zur Eingliederungshilfe und die Finanzierung der Kitas in NRW. Beide Seiten waren sich einig: Soziale Arbeit braucht stabile Finanzierung und weniger Bürokratie. 

Jörg Kador, Dr. Volkhard Wille und Stephan R. Brockschmidt (v.l.).
Jörg Kador, Dr. Volkhard Wille und Stephan R. Brockschmidt (v.l.).

„Wer bei der Eingliederungshilfe kürzt, spart nicht, sondern verlagert Kosten und Verantwortung. Die Leistungen, die Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, müssen erhalten bleiben“, betonte Wille. „Einsparungen sollten wir dort ansetzen, wo Zeit verloren geht: bei Formularen, Nachweisen und doppelten Prüfungen. Jede Stunde, die in Dokumentation fließt, fehlt in der Begleitung.“ 

Wille lobte die Lebenshilfe als unverzichtbaren Partner im Kreis Kleve – für Menschen mit Unterstützungsbedarf, ihre Familien und als Arbeitgeber. 

Jörg Kador schilderte, wie der Verwaltungsaufwand in der Eingliederungshilfe in den letzten Jahren zugenommen hat. „Unsere Mitarbeitenden sind Fachkräfte für Menschen, nicht für Formulare. Weniger Bürokratie kommt direkt den Menschen zugute, die wir begleiten“, erklärte Kador. „Aber Bürokratieabbau darf nicht als Vorwand für Leistungskürzungen dienen. Dass Herr Wille das genauso sieht, ist ein wichtiges Signal.“ 

Ein weiteres Thema war die Umsetzung der KiBiz-Reform, die ab dem Kita-Jahr 2027/28 greift. Das Kinderbildungsgesetz regelt in NRW, wie Kitas finanziert werden und wie viel Personal sie für die Kinder einsetzen. 

Die Lebenshilfe trägt im Kreis Kleve 20 Kindertageseinrichtungen. Wie alle Träger in NRW spürt sie, dass Personal- und Sachkosten schneller steigen als die Finanzierung. Bei inklusiver Betreuung kommt hinzu, dass Kinder mit Förderbedarf zusätzliches Fachpersonal brauchen. Wie jeder Kita-Träger muss auch die Lebenshilfe einen Teil der Betriebskosten selbst tragen – den sogenannten Trägeranteil. Daran hat die Reform nichts geändert.

„Kita ist Bildung, und Bildung ist eine öffentliche Aufgabe. Dass Träger einen Teil der Kosten selbst aufbringen müssen, passt nicht dazu”, sagte Stephan R. Brockschmidt. „Die Reform bringt mehr Geld ins System, am Trägeranteil ändert sie nichts. Ihn abzubauen wäre ein sinnvoller nächster Schritt. Dafür werben wir im Land – bei Herrn Wille haben wir ein offenes Ohr gefunden.”

Die Lebenshilfe im Kreis Kleve entstand Anfang 2025 aus dem Zusammenschluss der Lebenshilfe Gelderland und der Lebenshilfe Kleverland. Sie wurden in den 1970er-Jahren als Elterninitiativen gegründet, um Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen zu unterstützen. Heute betreuen über 1.000 Mitarbeitende und Ehrenamtliche rund 2.500 Menschen in mehr als 40 Einrichtungen im Kreis Kleve. Das Angebot reicht von inklusiven Kitas und Frühförderung über besondere Wohnformen, betreutes Wohnen und Pflegeeinrichtungen bis hin zu inklusiver Bildung, Freizeit und Arbeit. 

Spendenkonto: Lebenshilfe im Kreis Kleve e.V., IBAN: DE96 3206 1384 0103 6310 17, BIC: GENODED1GDL

Jetzt spenden